Programm „Spielstraße“ | Spiele der XX. Olympiade 1972, München

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Inventarnummer: 14/07

84-seitiges Programm zur „Spielstraße“, die im Rahmen der Olympischen Spiele 1972 in München von dem Architekt und Stadtplaner Werner Ruhnau erdacht und entworfen wurde.
In die Sportlandschaft wurden Orte integriert, die es ermöglichten, in offener Form die Aktionen von Künstlern aller Kunstgattungen (Schauspiel, Bildende Kunst, Musik, Film) darzubieten, an denen auch jeder teilnehmen konnte.

Die Veranstaltung im Rahmen der Spielstraße wurde nach dem Angriff auf die israelischen Sportler gestoppt.

Nach dem Vorbild in München entstand in Kiel, das 1972 Austragungsort der Segelwettkämpfe war, anlässlich der Kieler Woche die so genannte Spiellinie.

Teilnehmende Künstler u. a.: Samy Molcho, Le Grand Magic Circus von Jérôme Savary, Anatol Herzfeld, Timm Ulrichs, Alexis Korner, Marionettenteatern Stockholm, Tenjo Sajiki, Het Werkteater Amsterdam, Kipper Kids London, Renate Göbel, Dorothy Iannone, Fritz Schwegler, Ben Vautier, Günter Weseler, Haus-Rucker-Co Düsseldorf/New York.

14-07
Aus der Einleitung des Programms:
„Das Projekt Spielstraße ist als kontrastierender und ergänzender Beitrag zu den olympischen Sport-Spielen gedacht. Insbesondere wird mit den Mitteln des Theaters, der bildenden Kunst, der Musik, der Multivision, des Spiels und der Architektur dieses repräsentative Ereignis dargestellt und kommentiert. Den auf Dauer und für große Zuschauerzahlen errichteten Olympiabauten steht eine „Budenstraße“ gegenüber. Die großen Maßstäbe der Sportstadien werden durch eine Architektur kontrastiert, in der kleine, variable Aktionsfelder entstehen, die vielfältig bespielt werden können und eine offene szenische Form ermöglichen.
Im Gegensatz zur mehr passiven Teilnahme des Publikums am Sportgeschehen können sich die Zuschauer auf der Spielstraße frei bewegen und aus einern reichen, simultan laufenden Angebot von szenischen und anderen Darbietungen ihr eigenes Programm machen, ja entwickeln.

Kornmunikation zwischen den Sportlein Künstlern und Besuchern sowie der Besucher untereinander herzustellen. Auswahl oder gar Mitspielmoglichkeiten zu eröffnen, um die Kreativität der Zuschauer anzuregen, bestimmen weiterhin das Konzept der Spielstraße. Alle Darbietungen der Schauspieler, Artisten, Maler, Bildhauer, Musiker und Filmes sind also darauf gerichtet, den Zuschauer möglichst weitgehend einzubeziehen und teilnehmen zu lassen. Das wollen auch die Materialspieler, Mannequins und Serviceakteure. Das Gegenüber von Zuschauern und Darstellern in den Sportstadien wird auf der Spielstraße in ein Miteinander verwandelt.

Bevorzugtes Thema der künstlerischen Programme sind die Olympischen Spiele und die Idee des Sports.
Es wird nicht in Museen, Konzertsälen, Theatern, also in geschlossenen Räumen. nur für wenige zugänglich, gespielt.

Alles ist offen.
Der Eintritt ist frei.

Spielregeln
Wie im Sport-Spiel gibt es auch auf der Spielstraße Regeln. Wer diese verletzt oder bewußt stört, kann nicht teilnehmen.
Im Gegensatz zu den Sport-Spielen kann der Zuschauer auf der Spielstraße viele Spiele zugleich sehen, frei herumgehen, mit den Spielern reden und gegebenenfalls mitspielen.
Zuschauer können dann in das Geschehen eingreifen, wenn Schauspieler, Maler, Bildhauer, Artisten, Musiker dazu auffordern, oder Spielobjekte und Materialspieler dazu einladen.
Der Zuschauer kann aus dem vielfältigen, simultan laufenden Programm frei auswählen.

Der Programmablauf zwischen 10 Uhr morgens und 10 Uhr abends ist nicht genau festgelegt, sondern bleibt fließend, austauschbar, überraschend.
Schiedsrichter gibt es nicht. Auf meßbare Ergebnisse kommt es nicht an.“

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