Leichtathletiktrikot Willi Holdorf | Spiele der XVIII. Olympiade 1964, Tokio

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Inventarnummer: 11/164

Leichtathletiktrikot von den Olympischen Spielen 1964 in Tokio, Startnummer 263, getragen von Willi Holdorf. Willi Holdorf errang als erster Deutscher eine Goldmedaille im Zehnkampf bei Olympischen Spielen.

Der 1940 im holsteinischen Blomesche Wildnis geborene Holdorf spielte in seiner Jugend leidenschaftlich Fußball und Handball, 18-jährig entschied er sich für die Leichtathletik. Anfänglich versuchte er sich im Sprint, trainierte aber auch ausdauernd andere Disziplinen. Nach einiger Zeit stagnierte seine Laufleistung und so wechselte er zum Zehnkampf.
Schon 1959 wurde er Juniorenmeister in dieser Disziplin, ein Jahr später wiederholte er diesen Erfolg. Ende 1960 wechselte Willi Holdorf nach Leverkusen, dort wurde er von Bert Sumser und Friedrich Schirmer, der als „Vater der deutschen Zehnkämpfer“ galt, beim SV Bayer 04 Leverkusen trainiert.

1961 wurde Willi Holdorf deutscher Zehnkampfmeister bei den Herren, bei der 7. Leichtathletik-Europameisterschaft 1962 in Belgrad belegte er den fünften Platz. 1963 wurde er zum zweiten Mal deutscher Meister, erstmalig übertraf er die Marke von 8000 Punkten.

1964 absolvierte er vor den Olympischen Spielen in Tokio zwei Wettbewerbe, bei der deutschen Meisterschaft in Karlsruhe belegte er hinter Hans-Joachim Walde und Horst Beyer den dritten Platz. In den Ausscheidungskämpfen für die gesamtdeutsche Olympiamannschaft in Jena, im August 1964, siegte er mit persönlicher Bestleistung von 8156 Punkten.

Drei Wochen vor den Olympischen Spielen wurde das Punktesystem im Zehnkampf verändert. Der bis dahin stärkste Zehnkämpfer war der in Kalifornien lebende Taiwanese Yang. Yang sprengte mit übersprungenen 4,83 m im Stabhochsprung die bisherige Tabelle, sie sah eine maximale Sprunghöhe von 4,82 vor. Das bis dahin gültige System begünstigte starke Leistungen in einzelnen Disziplinen unverhältnismäßig hoch. So wurde der Sprung über 4,83 mit 1515 Punkten angerechnet, etwa ein Sechstel der Gesamtpunktzahl. Yang konnte sich so auf seine Paradedisziplinen, den Speerwurf, das Hürdenlaufen und vor allem den Stabhochsprung, in dem er allen Zehnkämpfern überlegen war, konzentrieren.
Das neue Punktesystem benotete Leistungssteigerungen nicht mehr progressiv, sondern linear. Yang, der noch wenige Wochen vor den Olympischen Spielen als Favorit galt, reiste deprimiert zu den Spielen an.

Der Wettkampf begann am 19. Oktober im Olympiastadion in Tokio, insgesamt nahmen 22 Athleten aus 14 Nationen teil. Aus deutscher Sicht waren außer Willi Holdorf die „alten Bekannten“ Hans-Joachim Walde und Horst Beyer dabei.

Hier die Ergebnisse der Einzeldisziplinen:

100-m-Lauf
1. Holdorf (10,7 s)
2. Aun (10,9 s)
3. Walde (11,0 s)

 

Weitsprung
1. Aun | UdSSR (7,22 m), Storozhenko | UdSSR (7,22 m)
2. Walde (7.21 m)
3. Beyer (7,02 m)

4. Holdorf (7,00 m

 

Kugelstoß
1. Storozhenko | UdSSR (16.37 m)
2. Holdorf (14,95 m)
3. Hodge | USA (14,93 m)

4. Walde (14,45 m)
8. Aun | UdSSR (13,82 m)

 

Hochspung
1. Walde (1,96 m)
2. Aun | UdSSR (1,93 m), Duttweiler | Schweiz (1,93 m)
3. Beyer (1,90 m)

4. Holdorf (1,84 m)

 

400-m-Lauf
1. Holdorf (48,2 s)
2. Aun | UdSSR (48,8 s)
3. Yang | Taiwan (49,0 s)

7. Walde (49,5 s)

 

110 -m-Hürden
1. Yang | Taiwan (14,7 s)
2. Sar | Italien (14,8 s)
3. Kuznetsov | UdSSR (14,9 s), Emberger | USA (14,9)

4. Holdorf (15,0 s)
7. Walde (15,3 s)
8. Aun | UdSSR (15,9 s)

 

Diskus
1. Sar | Italien (47,46 m)
2. Holdorf (46,05 m)
3. Beyer /45,17 m)

5. Aun | UdSSR(44,19 m)
8. Walde (43,15 m)

 

Stabhochsprung
1. Yang | Taiwan (4,60 m), Moro | Kanada (4,60 m)
2. Kuznetsov | UdSSR (4,40 m), Thorlaksson | Island (4,40 m)
3. Herman | USA (4,35 m)

5. Holdorf (4,20 m), Aun | UdSSR (4,20 m)
7. Walde (4,10 m)

 

Speerwurf
1. Yang | Taiwan (68,15 m)
2. Kuznetsov | UdSSR (67,87 m)
3. Herman | USA (63,35 m)

6. Aun | UdSSR (59,06 m)
9. Holdorf (57,37 m)

 

1.500-m-Lauf
1. Emberger | USA (4.19,3 min)
2. Aun | UdSSR (4.22,3 min)
3. Beyer (4.23,6 min)

9. Holdorf (4.34,3 min)
10. Walde (4.37,5 min)

 

Vor dem abschließenden 1.500-m-Lauf führte Holdorf denkbar knapp, er dürfte den bekannt laufstarken Sowjet-Esten Aun nicht mehr als 18,5 s Vorsprung gewähren. Nach Mobilisierung aller Kraftreserven kam Holdorf 12,0 s nach Aun ins Ziel, mit insgesamt 7887 Punkten und nur 45 Zähler vor Aun gewann Willi Holdorf die Goldmedaille.
Auch für Hans-Joachim Walde nahm der Wettbewerb ein glückliches Ende, mit 7809 Punkten errang er die Bronzemedaille, Horst Beyer wurde hervorragender Sechter.

Das sollte der letzte Wettbewerb im Zehnkampf von Willi Holdorf gewesen sein, nach den Olympischen Spielen in Tokio beendete er seine Karriere.

Einige Jahre später versuchte sich Willi Holdorf als Bremser im Zweier-Bob. Bei den Europameisterschaften 1973 in Cervinia/Italien gewann er zusammen mit Horst Floth die Silbermedaille.
Auch im Fußball tauchte der Name Willi Holdorf auf, in der Saison 1973/74 trainierte er ab Januar 1974 Fortuna Köln bis zum Saisonende.

 

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